Ein Mahl nur für Frauen serviert

- Die diesjährige Referentin beim 36. Schafferinnenmahl war die ehemalige niedersächsische Justizministerin Heidi Merk. Foto: Focke Strangmann
Die ehemalige niedersächsische Justizministerin, Heidi Merk, referierte beim 36. Schafferinnenmahl im Haus der Bürgerschaft in Bremen
Eines stand schon fest: Nach dem Vortrag und der anschließenden Diskussion würde es im Festsaal der Bremischen Bürgerschaft Hühnerfrikassee für alle Teilnehmerinnen geben. Denn das ist nun schon seit über 35 Jahren Tradition und war auch am 21. Oktober 2010 nicht anders, als das diesjährige 36. Schafferinnenmahl in der Bremischen Bürgerschaft stattfand. Seit 1975 lädt der Arbeitskreis Schafferinnen der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) mit viel Spaß und Engagement jährlich 100 Frauen zum Schafferinnenmahl ein - als „Gegenveranstaltung“ zur seit über 450 Jahren männlich dominierten Schaffermahlzeit im Rathaus. Referentin war in diesem Jahr die ehemalige niedersächsische Justizministerin Heidi Merk. Sie referierte zum Thema „Ehrenamt – Typisch Frau?“.
Beim Schafferinnenmahl – übrigens darf jede eingeladene Frau ebenso wie die Teilnehmer beim männlichen Pendant nur einmal im Leben Gast sein – werden Netzwerke geschaffen, auf Frauen aufmerksam gemacht, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, aber doch durch ehrenamtliche Bemühungen einen oft wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Dabei, so Heidi Merk, sei das Ehrenamt lange Zeit Kern der Selbstorganisation politischer, sozialer und geselliger Vereinigungen gewesen. Und somit über sehr lange Zeit ausschließlich die Domäne der Männer. Heute gehe es vielmehr um die Erweiterung des eigenen Horizonts oder darum, die eigenen Lebenswelten neu zu gestalten oder zu verändern. „Es kann auch um die Suche nach Kommunikation und Geborgenheit gehen“, sagte Merk über die Triebfedern des unaufgeforderten Engagements.
Dennoch sei laut dem Freiwilligensurvey der Bundesregierung von 2009 im geschlechterspezifischen Vergleich die Quote für ein freiwilliges Ehrenamt bei Männern auffällig höher als die von Frauen. Ohne Unterscheidung des Alters liegt die Engagementquote bei Männern bei 40% in 2009 und die der Frauen bei 32%. Der Grund, so Merk, liege klar auf der Hand: „Die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und gesellschaftlicher Teilhabe ist für Frauen noch nicht in ausreichendem Maß sichergestellt.“ Zudem drängten sich Männer in bestimmten ehrenamtlichen Bereichen immer in den Vordergrund, ihr beruflicher Stand würde eher wahrgenommen und sie hätten zur Sicherstellung ihrer Ehrenämter oft bereits die notwendigen Netze gespannt. „Männer halten sich selbst oft für prädestiniert, Ämter, die öffentlichkeitswirksam sind, sofort zu übernehmen. Frauen hingegen engagieren sich häufiger in Bereichen mit betreuenden, gesundheitlichen und versorgenden Aufgaben, die oftmals auch eine ausgeprägte Nähe zur Familie aufweisen. Es wird deutlich: Da, wo es um Macht und Einflussnahme geht, ist das männliche Geschlecht obenauf“, sagt Merk. Und auch der institutionelle Rahmen, in dem bürgerliches Engagement stattfindet, unterscheide sich bei Männern und Frauen. „Frauen finden sich häufiger in informellen Gruppen und Initiativen wieder und erscheinen deshalb auch weniger in der Öffentlichkeit. Außerdem hat sich gezeigt, dass sich die geschlechterspezifische Aufgabenteilung traditioneller Art in der Familie belastend auf die Möglichkeiten von Frauen und ihrem Engagement auswirkt, während diese Dimension für Männer keine Rolle spielt“, so Merk, die abschließend bemerkte, dass die Frau gegenüber dem Mann aufholt – die Bedingungen dafür, sich engagieren zu können, müssten aber verbessert werden.

